Fruehe Deutsch- Amerikanische Drucke

Prof. Heinz Wilsdorf

Von einem Mann, der sich im Herbst seines Lebens einen Traum erfuellte,

ueber das Buch, das er schrieb, und die wertvolle Sammlung alter Drucke, die er der Universitaet Goettingen hinterliess.

Gaenseliesel

Das meistgeküsste Mädchen der Welt:

Das alte Rathaus in Göttingen wurde in mehreren Bauabschnitten ab 1270 errichtet und war bis 1978 Sitz des Rates und der Verwaltung der Stadt Göttingen. Es steht an der Westseite des Marktplatzes inmitten der Altstadt. Auf diesem Platz steht auch das weltbekannte Wahrzeichen der Universitätsstadt Göttingen, das Gänseliesel. Der Legende nach soll ein kleines Mädchen mit einem Korb, in dem zwei Gänse saßen, vom König von Hannover in der Stadt überfahren worden sein. Obwohl der König das Unglück bemerkte, hielt er seinen Fahrer zum Weiterfahren an. Als derselbe König viele Jahre später den Göttinger Bürgern einen Brunnen nach ihrer Wahl schenken wollte, setzen diese zu seinem Ärger der kleinen Gänsemagd ein Denkmal. Die bronzene Jugendstilfigur ist der Liebling aller frischgebackenen Doktoren und das meistgeküsste Mädchen der Welt. Schon bald nach ihrer Aufstellung im Jahre 1901 entstand nämlich der Brauch, dass alle Doktoranden nach bestandener Prüfung auf einem Heuwagen durch die Stadt zum Gänseliesel gezogen werden, sie auf den Mund küssen und mit einem Blumenstrauß schmücken.

Göttingens mehr als 1000-jährige Geschichte:

In einer Urkunde Kaiser Ottos I. wird "Gutingi" im Jahre 953 erstmals erwähnt. Um das Jahr 1200 erlangte Göttingen Stadtrecht und erlebte im 14. und 15. Jahrhundert eine erste Blütezeit. Zwischen 1351 und 1572 war die Stadt Mitglied der Hanse, was ihr enormen Wohlstand bescherte. Zu dieser Zeit diente das Alte Rathaus auch als Gilde- haus der Kaufleute. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude verwüstet, als die Stadt von schwedischen und weimarischen Truppen unter Wilhelm von Weimar für die evangelische Seite zurückerobert wurde. Später ließen wirtschaftlicher Nieder- gang, politische Querelen und Kriegswirren die einstige Handelsmetropole zum verschlafenen Landstädtchen absinken. Erst die Gründung der Georg-August-Universität durch den gleichnamigen Kurfürsten von Hannover im Jahr 1734 brachte einen neuen Aufschwung. Am 13. Januar 1733 hatte Kaiser Karl VI. ihm das Privileg erteilt, in Göttingen eine Universität zu gründen. Im Jahre 1737 fand dann die feierliche Eröffnung der Georgia Augusta mit 20 Professoren und 400 Studenten statt. In der daruf folgenden Zeit, in der die Stadt zu neuer Bedeutung aufstieg, wurde dann auch das Alte Rathaus renoviert und modernisiert: Zwischen 1883 und 1886 erfuhr die Halle eine neue Ausstattung und Ausmalung.

Die "Georgia Augusta" Universität von Weltrang

Schon bald war die Georgia Augusta die meistbesuchte Hochschule Europas. Lang ist die Reihe namhafter Persönlichkeiten, darunter mehr als 40 Nobelpreisträger, die in Göttingen studiert, gelehrt oder gearbeitet haben. Berühmt wurde Göttingen Ende des 18. Jahrhunderts durch die Blüte der Natur- und Geschichtswissenschaften und ist bis zum heutigen Tage bei Studenten aus dem In- und Ausland beliebt und ein begehrter Studienort. Die klassizistische Aula am Wilhelmsplatz, die Wilhelm IV. zum 100. Geburtstag der Georgia-Augusta stiftete, ist mit dem großen Festsaal noch heute ein zentrales Gebäude der Universität. Sie hat besonders auf naturwissenschaftlichem Gebiet einen legendären Ruf. Über 40 Nobelpreisträger gehörten der Universität seit 1908 an. Besonders Physiker und Chemiker wurden mehrfach ausgezeichnet. Doch auch Mediziner, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger zählen zu den ausge-zeichneten. Max Born, Enrico Fermi, Otto Hahn, Werner Heisenberg, Gustav Hertz, Robert Koch, Walther Nernst, Max Planck, Ludwig Quidde sind nur die Bedeutend-sten. Das Gauß-Weber-Denkmal in Göttingen erinnert an die Erfindung des elektromagnetischen Telegraphen (1833) durch Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber. Als moderner Hochschulstandort ist Göttingen heute mit Universität sowie privater Fachhochschule bestens ausgestattet. Die Nord-Uni wurde erst in den sechziger Jahren erbaut und ist auf dem forstwissenschaftlichen Bereich ausge-zeichnet. Göttingen ist keine reine Campus-, sondern wirklich eine Stadt-Uni. Überall sind Institute angesiedelt. Die neue Niedersächsische Staats- und Universitäts-bibliothek ist hoch modern ausgestattet und eine der besten in Deutschland und Europa. Die klassischen Studiengänge sind fast alle auf dem Campus angesiedelt: BWL/VWL, JURA und THEOLOGIE. Das Klinikum, für Mediziner interessant, ist das größte und technisch beste Krankenhaus Südniedersachsens.

Göttingen ist immer eine Reise wert

In Göttingen spielt sich noch immer ein Großteil des städtischen Lebens innerhalb des alten Stadtwalls ab. Alle wesentlichen Orte lassen sich zu Fuß erreichen. Ob es der Alte Botanische Garten ist, das Deutsche Theater oder eines der zahlreichen historischen Gebäude, selten ist der Weg länger als zehn Minuten. Der Altstadtkern, umgeben von der mittelalterlichen Wallanlage, beherbergt etliche gut erhaltene bzw. restaurierte Gebäude. Das Nachtleben konzentriert sich auf wenige Straßen, die deshalb umso belebter sind. In der Fußgängerzone mit ihrem internatio- nalen Flair pulsiert das Leben. In der Innenstadt liegt zu beiden Seiten des Walls der 1736 angelegte Alte Botanische Garten, der mit seinen historischen Gewächshäusern, den botanischen Anlagen und dem alten Baumbestand den Besucher zu einem Spaziergang abseits des Innenstadt- trubels einlädt. Die Altstadt ist kulturell ergiebig und das Ende August stattfindende Altstadtfest mit unzähligen Live Acts ist in Niedersachsen legendär.